27.10.2016

Die Kombination ist ein Idelalzustand

Die TSG Seckenhausen/Fahrenhorst ist als Sieger des VGH-Fairness-Cups geehrt worden. Die Laudatoren würdigten dabei die Vorbildfunktion des Teams.

„Das sind alles gute Jungs. Auf Kosten anderer wollen die keine Erfolge erreichen.“ Dirk Hofmann, im zweiten Jahr Trainer der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, ist vom Charakter seiner Spieler restlos überzeugt. „Denen braucht man Fair Play nicht einzuimpfen. Manchmal“, so der Coach, der als Ex-Profi unter anderem für Borussia Dortmund, den VfL Osnabrück und die SpVgg Unterhaching kickte, „manchmal sind die vielleicht sogar ein bisschen zu fair.“

Hofmann weiß, wovon er spricht, wie später noch nachzulesen sein wird. – So fair, dass sie jetzt im feierlichen Rahmen im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen als fairste Mannschaft Niedersachsens der Saison 2015/16 geehrt werden konnten, sind die TSG-Kicker allemal. Nur 16 gelbe Karten in 30 Begegnungen haben die Spieler der TSG Seckenhausen/Fahrenhorst in der vergangen Saison erhalten. Das reichte eindrucksvoll, um den VGH-Fairness-Cup der Spielzeit 2015/16 unter insgesamt 1003 beteiligten Mannschaften mit großem Vorsprung zu gewinnen.

Der Lohn dafür: Ein Wochenendtrainingslager im Sporthotel Fuchsbachtal, also an jenem Ort, wo mitunter auch die Deutsche Nationalmannschaft zu residieren pflegt.Dass neben der Fair Play-Niedersachsenmeisterschaft außerdem der Aufstieg in die Bezirksliga gelang, rundete eine perfekte Saison ab. Die vorbildliche Einstellung der Mannschaft aus dem NFV-Kreis Diepholz unterstrichen auch die Laudatoren, die zur VGH-Fairness-Cup Siegerehrung ins Sporthotel gekommen waren. Karl Rothmund bezeichnete es im Beisein der fast komplett anwesenden NFV-Präsidiumsmannschaft als „Idealzustand, dass sportliche Leistung von der Siegermannschaft mit Fair Play kombiniert wurde.“

Der NFV-Präsident wertet die Ausrichtung von Deutschlands größtem Fairnesswettbewerb „als eine der wichtigsten pädagogischen Aufgaben unseres Verbandes“ und sprach den TSG-Kickern zum Sieg „ein großes Kompliment“ aus. „Vom Grundsatz her gibt es in Niedersachsen kein wirkliches Problem mit Gewalt im Amateurfußball. Unser großes Problem sind die Chaoten“, erinnerte Rothmund an unschöne Vorfälle, die sich jüngst bei einem Jugendspiel zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig abgespielt hatten.

Frank Roemer, Direktor der VGH-Regionaldirektion Nienburg, sprang als Laudator für das erkrankte VGH-Vorstandsmitglied Frank Müller ein. „Der Jugend ein Vorbild in Sachen Fair Play zu geben, ist wichtiger denn je. Der TSG-Mannschaft ist dies eindrucksvoll gelungen. Wer aufsteigen möchte, kämpft mit allen Mitteln. Aber die TSG hat bewiesen, dass Erfolg auch mit Fairness erreicht werden kann. Respekt, mit solchen Teams macht es Spaß zu arbeiten“, lobte der VGH-Regionaldirektor.

Stephan Manke, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport freute sich, dass es normalerweise die negativen Nachrichten seien, die sich besser verkaufen ließen, „heute aber ein gutes Beispiel im Mittelpunkt steht.“ Der VGH-Fairness-Cup bewerte nicht die reine Ergebnisleistung, sondern den Sportsgeist. „Wer sich im Sport fair verhält, der richtet sein Handeln auch in anderen Bereichen nach dieser Einstellung aus. Die Mannschaft der TSG Seckenhausen/Fahrenhorst ist ein Vorbild für die Jugend, den Sport und das gesellschaftliche Leben.

"Für die Seckenhausener, die vom Stuhrer Bürgermeister Niels Thomsen, Vereinschef Reinhard Drabner, dem Vorsitzenden des Fußballkreises Diepholz, Andreas Henze und dem Spielausschussvorsitzenden Michael Steen zur Ehrung begleitet worden waren, sprach Torben Budelmann im Namen der Mannschaft die Dankesworte. „Wir sind stolz auf dieses Ergebnis, freuen uns auf ein Wiedersehen beim Trainingslager in Barsinghausen und wollen für unseren kleinen Ort weiterhin Großes leisten“, so der TSG-Spieler.

TSG-Trainer Hofmann soll laut Internet-Lexikon Wikipedia in seiner Karriere als Spieler kein Kind von Traurigkeit gewesen sein. Dort ist über seine Zeit als Spieler des VfL Osnabrück nachzulesen: „Seine Spielweise zeichnete sich durch seine harte Gangart aus. In dieser Saison (1992/93) wurde Hofmann zweimal des Platzes verwiesen, einmal mit einer roten und einmal mit einer gelb-roten Karte, zudem erhielt er 22 gelbe Karten.“ So ein Mitspieler wäre für jede Mannschaft, die den VGH-Fairness-Cup gewinnen möchte, sicherlich ein Albtraum. 

Indes scheint Hofmann als Trainer geläutert zu sein. „Wir liegen im Fair-Play-Vergleich wieder vorn, obwohl es für uns in der Bezirksliga schwieriger geworden ist. Wir haben uns vorgenommen, die Klasse mit fairen Mitteln zu halten. Das wäre dann ein noch größerer Erfolg als der letztjährige Aufstieg“, so der Coach, der angeordnet hat, dass im Training nicht gegrätscht werden darf.

Christian Schult ist Kapitän der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst und mit 35 Jahren Senior der Mannschaft. „Nachdem wir im Winter die Fairnesswertung anführten, haben wir uns vorgenommen, nach Platz 2 im vergangenen Jahr nun ganz oben zu landen. Uns dieses Ziel zu setzen, war aber nur möglich, weil das alles super Jungs sind, vernünftig und bodenständig. Nur deshalb konnten wir auf den Fair Play-Preis hin spielen. Entgegen gekommen ist uns natürlich auch, dass unser Aufstieg frühzeitig feststand“, so der Spielführer, der nach der Siegerehrung in Barsinghausen mit seinen Mitspielern noch nach Bremen aufbrechen wollte, um in Halle 7 auf der Freimarktparty den Fairnesstriumph weiter zu feiern.

Nur drei gelbe Karten hat Eike Müller in der vergangenen Saison kassiert und war mit dieser Ausbeute dennoch das „schwarze Schaf“ in Reihen der Seckenhausener. An eine Verwarnung kann sich der baumlange Innenverteidiger der TSG „überhaupt nicht mehr erinnern, bei einer hätte der Schiedsrichter auch ein Auge zudrücken können und die dritte Gelbe war völlig berechtigt“, so Müller, der im laufenden Spieljahr erst einmal Gelb gesehen hat. Für den 32-Jährigen ist es nicht verwunderlich, warum seine Mannschaft in puncto Fair Play eine vorbildliche Rolle spielt. „Über unsere Geschlossenheit können wir viel kompensieren. Auf und neben dem Platz sind wir alle füreinander da.“

Müller ist, was Ehrungen anbelangt, wie seine Mitspieler auf den Geschmack gekommen. „Auf NFV-Ebene den Fairnesstitel zu verteidigen wird schwer, aber im Kreis Diepholz sieht es derzeit gut aus. Wir haben den Ehrgeiz, jede mögliche Ehrung mitzunehmen.“

Burkhard Züdel ist Betreuer der TSG Seckenhausen/Fahrenhorst. „Als wir im Februar beim Bundesligaspiel zwischen Hannover 96 und Darmstadt 98 für Platz 2 im Vorjahr geehrt worden sind, haben wir den VGH-Vertretern angekündigt, wieder Zweiter werden zu wollen, um erneut ein Spiel sehen zu können. Doch die Ehrung hier in Barsinghausen hat noch einmal alles getoppt“, schwärmte Züdel, selbsternanntes „Mädchen für alles“ bei der TSG.

 

TSG Seckenhausen-Fahrenhorst

Seckenhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Stuhr im Norden des Landkreises Diepholz. Die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst wurde 1977 gegründet und feiert somit im kommenden Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Vorsitzender des Vereins ist Reinhard Drabner. Dem 30-Spartenverein gehören heute rund 1300 Mitglieder an.

Die Fußballsparte zählt allein 400 Mitglieder. Insgesamt nehmen 28 Mannschaften am Spielbetrieb teil: Sieben Herrenteams (darunter eine Mannschaft, die ausschließlich mit Flüchtlingen besetzt ist), ein Ü 50-Team, ein Ü 32-Team, drei Frauenteams, fünf Jugendteams sowie elf Teams in einer Jugendspielgemeinschaft mit dem TV Stuhr.

In der Saison 2015/16 belegte die TSG unter insgesamt 1003 Teams mit 16 gelben Karten aus 30 Spielen souverän Platz 1 in der Fairnesswertung. Gleichzeitig gelang der Aufstieg in den Bezirk.In puncto Fairness konnte die TSG in jüngerer Vergangenheit mehrfach glänzen. So belegte sie im VGH-Fairness-Cup im Jahr 2014 unter 1009 Teams Rang 6 und wurde in 2015 unter 1012 Teams sogar niedersächsischer Fairness-Vizemeister.

Als größter Erfolg der Fußballer gilt aber weiterhin die Kreisligameisterschaft in der Saison 2007/2008 und der damit verbundene Aufstieg in den Bezirk. Damals bereits dabei war der jüngst 32 Jahre alt gewordene Eike Müller, der in der vergangenen Saison drei der insgesamt 16 gelben Karten und damit die meisten der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst kassierte.

In der Bezirksliga Hannover Staffel 1 belegen die Rot-Schwarzen derzeit Rang 11 mit vier Punkten Vorsprung vor dem BSV Rehden II auf Abstiegsplatz 14. Nach zwölf Saisonspielen stehen nunmehr für das Team um Kapitän Christian Schult drei Siege, fünf Unentschieden und vier Niederlagen zu Buche. Bester Torschütze war bisher mit acht Treffern Nico Kiesewetter, der in der vergangenen Saison mit 31 Toren Torschützenkönig in der Kreisliga Diepholz geworden war. In der Fairnesswertung der Bezirksliga 1 belegt die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst derzeit nach zwölf Spielen mit 14 gelben Karten Rang 1.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 15.08.2017